Portiert NZZ ungeprüfte und unbelegte Schauergeschichten zum ersten Atomtest?

Die Geschichte ist spannend. Eine Gruppe von ungefähr sieben Mädchen im Alter von etwa 13 Jahren erlebt am Morgen des 16. Juli 1945 wie aus heiterem Himmels „Schnee fällt“. Als sie an diesem Morgen ins Freie kommen, sehen sie eine riesige Wolke am Horizont und ein Licht, «so, als wäre schlagartig die Sonne aufgegangen». Wenige Stunden später rieseln dann die weissen Flocken vom Himmel. So berichtet es die Autorin des NZZ-Artikels „Sie war eines der ersten Opfer der Atombombe – und wartet bis heute auf eine Entschädigung„. Marie-Astrid Langer schreibt aus dem Amerikanischen Laguna Woods über die Folgen des ersten Atombombentests für die Region um die Testsite „Trinity“.

Der erste Atomtest war geheim und die US-Behörden haben die Schneefallgeschichte im Ort Ruidoso als „Explosion eines nahen Sprengstoffdepots“ erklärt. Wir man längst weiss, war das natürlich eine Lüge „im Interesse der Staatssicherheit“. Die 94-Jährige Barbara Kent erinnert sich an den Tag, als wäre es gestern gewesen. Mich persönlich erinnert diese Geschichte exakt an das von Greenpeace erfundene Märchen der Bäuerin Marie Holowka , die in der Nähe von Three Mile Island seit über fünfzig Jahren Landwirtschaft betrieben haben soll. Diese Bäuerin hat gemäss dem Buch Greenpeace Handbuch des Atomzeitalters», [L1022] zum Zeitpunkt des Unfalls im Stall die Kühe gemolken und ebenfalls Seltsames erlebt:

«Mit einemmal begannen die Wände zu wackeln. Tief aus dem Boden drang ein Brodeln – ‘es hörte sich an wie kochendes Wasser in einem Topf’. Ein Erdbeben, dachte Marie Holowka. Als sie bei Tagesanbruch den Stall verliess ‘tränten meine Augen und ich hatte einen komischen Geschmack im Mund … ich konnte drei Meter weit sehen’. Sie ging zurück zum Farmhaus, fühlte sich aber so schwach, dass sie dreimal hinfiel. »

Die Bäuerin Holowka sollte in keinem einzigen der offiziellen Berichte über die Atomhavarie bei Three Mile Island (1979) erscheinen, nur bei Greenpeace findet sich ihre Geschichte, die wie üblich bei Atomkraftgegnern — nicht einmal im Ansatz durch Belege nachvollzogen werden kann. Nachvollziehbar ist nur, dass der Hof von Holowka gemäss Angaben von Greenpeace in sechs Kilometer Entfernung von TMI geortet werden kann, exakt auf der abgewandten Seite der Windrichtung des „Fallout von TMI“. Die Krankheitssymptome von Frau Holowka sind denn auch eher abenteuerlich, wenn man weiss, dass das intensive Strahlenmonitoring nach TMI auch im Bereich des Fallouts in Windrichtung keine wesentlichen Werte an Radioaktivität nachweisen kann. Wegen TMI ist niemand gestorben. Eine gesundheitsschädliche Strahlendosis kann nur innerhalb des AKW Three Mile Island nachgewiesen werden. Nachweisliche Fake-News, erfunden von einem Haufen unbebildeter Aktivisten und portiert von Greenpeace für die weltweite Aktion gegen die friedliche Nutzung der Atomkraft. Und das alles immer im Auftrag des russischen Propagandaapparats, der weltweit bis heute alle bekannten Ökoterroristen und anarchistischen NGOs und Parteien des Westens logistisch und auch finanziell unterstütz.

Es wimmelt seither geradezu von Journalistinnen, die auf diesen erbärmlichen Zug der dreckigen und oberflächlichen Berichterstattung aufgesprungen sind. Reisserische News eben, die neben einer politisch linken Agenda dazu dienen, die Werbeeinnahmen eines Mediums zu sichern. Ehrliche, nachvollziehbare Fakten interessieren kein Schwein. Das ist die wohl höchste und einzige Regel des Journalismus weltweit. Geschichten von vermeintlichen Opfern, an denen die gelangweilten Leser ihr perverses Mitgefühl trainieren und ein wenig Spannung in ihr gelangweiltes Leben bringen.

Die weihnächtliche Füllgeschichte der NZZ vom 26. Dezember 2025 über den ersten Atombombentest und dessen Fallout weit im Süden der USA weist ganz ähnliche Auffälligkeiten auf:

  • Der Ort Ruidoso wird im wohl offiziellsten Bericht „Final Report of the Los Alamos Historical Document Retrieval and Assessment LAHDRA Project“  [B3060] mit keinem Wort erwähnt. Die dem Ort Ruidoso nächstgelegene Ortschaft, die in diesem Bericht erwähnt wird, ist Carrizoso. Dort gibt es tatsächlich einen schneefallähnlichen Fallout, allerdings wird dessen Zusammensetzung nicht geprüft. Die offizielle Strahlenbelastung wird da mit sehr geringen 0,2 RAD angegeben. Das entspricht 0,002 Gray
  • Der frühe Tod der Freundinnen der 94-Jährigen Barbara Kent kann nicht dem Fallout zugeschrieben werden, dazu war die Strahlenbelastung offensichtlich zu gering. Eine auch nur annähernde Häufung einer tödlichen Strahlenbelastung von ganzen Gruppen Betroffener kann auch in den am stärksten belasteten Gebieten in Nördlicher Richtung nicht nachgewiesen werden. Ruidoso wird im Bericht nicht erwähnt, weil es südöstlich von der Testsite und deshalb in einer wenig belasteten Gegend liegt.
  • Die Beschreibung der Vorgänge von Barbara Kent ist nicht realistisch. Sie sieht zuerst eine „riesige Wolke am Himmel“ und beschreibt dann einen Lichtblitz «so, als wäre schlagartig die Sonne aufgegangen». Ein atomarer Lichtblitz erscheint aber sofort bei der Detonation. Die Rauchwolke des Ausfalls kommt danach und bildet sich nicht von Beginn weg als „riesige Wolke“. Die Beschreibung der Vorkommnisse scheint nach immerhin 80 Jahren nicht mehr ganz den damaligen Situation zu entsprechen.
  • „Keine ihrer Freundinnen wurde älter als 40 Jahre“. Das ist vielleicht ihre Wahrnehmung, kann aber kaum der Wahrheit entsprechen und wird von niemandem ernsthaft Überprüft. Aus der nachweislich vom „Schneefall“ stark betroffenen Ortschaft Carrizoso sind keine solchen Massensterben bekannt. Die Studie befasst sich auch mit der erhöhten Sterblichkeit durch den Atomtest und stützt ihn wissenschaftlich korrekt auf die Basislinie der örtlichen Krebsraten vor und nach dem Test. Solche extremen Abweichungen sind in keiner Region dokumentiert, schon gar nicht in den nachweislich nur leicht belasteten Orten Carrizoso und Ruidoso.
  • Die Beschreibung der Windrichtungen in den offiziellen Berichten weicht auffällig von der Formulierung im vorliegenden Artikel ab: Zitat NZZDie pilzförmige Wolke voller Plutonium spaltete sich in der Luft: Ein Teil schwebte gen Norden nach Kanada, einer gen Osten bis ins 3200 Kilometer entfernte New York. Ein dritter Teil wehte gen Südosten, ins 45 Kilometer entfernte Ruidoso, wo Barbara Kent und ihre Freundinnen zu dieser Zeit täglich draussen spielten.
    Wie bereits erwähnt, wird die Ortschaft Ruidoso in den offiziellen Berichten nicht erwähnt, eine Wolke „voller Plutonium“ gibt es da auch nirgends. Aber es gibt genaue Messungen wie bei der Teilhavarie in Three Mile Island. Und die weisen nach, dass die Belastung des Fallouts im entfernten Ruidoso bestimmt für ein konstruiertes Massenaussterben von „Freundinnen“ aber noch lange nicht für die medizinische Wahrheit reicht.

Marie-Astrid Langer ist eine von vielen JournalistInnen, die sich ihre politisch einseitigen Geschichten oft aus der langweiligen Kiste der Atomkraftwerkgegner oder einer woken Philosophie des Linksliberalismus kramt und nicht in der Lage ist, Fakten und Belege für die abenteuerlichen Geschichten des Gutseins hinzulegen. JournalistInnen wie Marie-Astrid Langer wollen nur „das richtige zu tun“, „Gut und lieb zu sein“. Dabei wirken sie triefend vor Moral, in der Absicht, dem Mainstream einer historisch und naturwissenschaftlich ungebildeten Gesellschaft die subtile Botschaft zu vermitteln, wie nur linkes Gedankengut als die einzig anständige Haltung in einer westlichen Gesellschaft gelten darf. Sie meinen ernsthaft, dass sie eine wichtige Aufgabe zur Verbesserung unserer Gesellschaft hätten. Ihre gleichgeschalteten Kollegen teilen sich die von der realen Welt abgesonderten Blase der Korrektheit und schaukeln sich in ihrer Abgehobenheit gegenseitig in den Schlaf der Gerechten. Und wir müssen diese abenteuerlichen Geschichten dann unwidersprochen zur Kenntnis nehmen und einfach glauben, wenn wir nicht als „rechtsextrem“ gelten wollen. Ein gesunder Menschenverstand sollte vorsichtiger umgehen mit Geschichten, die ungeprüft aus dem Mund einer Person strömen, die bisher ohne Erfolg für eine staatliche Abfindung kämpft, deren Berechtigung offensichtlich auch von Experten eher skeptisch beurteilt wird. Es ist auch wenig glaubwürdig, dass eine 94-jährige die einzige Überlebende dieses gefährlichen „Schneefalls“ von 1945 ist, der alle anderen „Freundinnen“ schon in jungen Jahren hinweggefegt haben soll und dessen Gefährlichkeit in allen Berichten auf wackeligen Füssen daherkommt. Ich garantiere, dass man bei wenig Nachforschung der Lebensgeschichten dieser Freundinnen auf ganz neue Antworten stösst. Aber die werden weniger spektakulär sein als das vorliegende Märchen vom bösen Atom, das uns hier vermittelt werden soll.

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