Die Schweizer diskutieren noch bis 2050, während die westliche Welt an teuren Mini-AKW bastelt und die Russen den BN-1200 in Angriff nehmen

Was ist sicherer? Tausend kleine, modulare AKWs oder wenige Grosse AKWs? Oder anders gefragt: Wenn 1000 kleine Autos auf der Strasse fahren oder 100 grosse Autos. Nimmt dann die Sicherheit zu oder ab?

Zu Zeiten der Entwicklung und Planung des AKW Kaiseraugst, Gösgen oder Leibstadt haben die Ingenieure das noch gewusst. Grosse Reaktoren sind sicherer, weil sich die baulichen Sicherheitsauflagen, die Überwachung und die ganze Technik in einem grossen System befinden. Bei vielen kleinen Reaktoren multiplizieren sich Kosten, Risiko und Sicherheitsaufwand einfach mit jedem zusätzlichen Reaktormodul. Grosse Reaktoren sind auch günstiger im Betrieb, der Strompreis pro KWh bewegt sich heute um ca. 10 Rappen. „Kleine“, „Modulare“ Reaktoren sind reine Augenwischerei der Politik. Den AKW-Angsthasen in grünen und linken Kreisen soll suggeriert werden, diese kleinen, herzigen Systeme seien sicherer als grosse Reaktoren. Sicherheit ist generell so eine Sache: Es gibt und es gab noch niemals ein Null-Risiko. Es ist einfach unmöglich auf dieser Welt etwas zu bewegen, das absolut kein Risiko aufweist.

Der Atomphysiker Alwin M. Weinberg [M1257] hat uns schon vor Jahrzehnten zum Thema Restrisiko erklärt, dass es für alle Vorgänge der menschlichen Gesellschaft kein Nullrisiko gibt . [L1117, Seite 5] Der Wunsch nach einem Nullrisiko ist die Formulierung einer Illusion und gründet auf der Risikoanalyse unter Anwendung des dafür nicht geeigneten Worst Case Szenario.

Man muss hier aber klar festhalten, dass die Sicherheit moderner AKW ausserordentlich gross ist und es heute Konzepte gerade bei den schnellen Brutreaktoren gibt, die „inhärent sicher sind„. Weinbergs Aussage gilt trotzdem auch hier: Nullrisiko ist eine Illusion in allen Bereichen des menschlichen Alltags. Wenn es statistisch betrachtet aber hunderttausenfach gefährlicher ist, einen Fussgängerstreifen EINMAL zu überqueren, als ein ganzes Menschenleben neben einem Atomreaktor zu leben, ja dann kann man sich die Verhältnismässigkeit bildlich vorstellen. Und ich untertreibe hier noch stark … Das Beispiel würde selbst mit einer 9-stelligen Zahl noch stimmen, aber ich will hier doch maximal glaubwürdig erscheinen. Denn übertriebene Zahlen zu Opfern, Gefährdung und Weltuntergang sind die „Fakten“ der Atomkraftgegner: Je grösser und grossartiger ihre Zahlen, desto weniger nachvollziehbar und belegt kommen sie daher 😉 Reine Propaganda eben.

Der von mir schon vor Jahren empfohlene, nächste Atommeiler als Ersatz für Beznau I und II wird von den Russen gebaut. Dieses Konzept wurde unter Beteiligung Europas entwickelt. Der sehr ähnliche Vorläufer BN-800 läuft schon seit Jahren zuverlässig. Der Reaktorkern des BN-800 verwendet seit Januar 2022 ein Gemisch von 60% Uran-Plutonium (MOX). Das Plutonium wurde zu diesem Zweck in konventionellen Druckwasser- und Siedewasserreaktoren erzeugt und aus der Wiederaufbereitung der abgebrannten Brennstäbe gewonnen. Das dafür benötigte Uranium wurde nicht in Minen geschürft, sondern aus abgereichertem Uran gewonnen, das vorher mit dem früheren Abfallprodukt Plutonium aufwändig gelagert werden musste. [B1229] [B1230] . Man kann davon ausgehen, dass der BN-1200 eine skalierte Version der Vorläufer BN-350, BN-600 und BN-800 ist, die schon seit den 1980er Jahren entwickelt und seit 2016 kommerziell Strom liefern.

Was ein grosser Reaktor vom Typ „Schneller Brüter“ alles so kann:

  • Viel günstigen Strom produzieren und das auf die umweltfreundlichste Art, die man sich denken kann.
  • Der Brennstoff stammt aus wiederaufbereitetem Atommüll
  • Im Thermochemischen Verfahren kann aus der Abwärme günstig Wasserstoff produziert werden
  • Mit der Restwärme können ganze Städte beheizt werden
  • Das Plutonium aus Atombomben und aus dem Atommüll kann als Brennstoff verwendet werden
  • Durch die Wiederaufbereitung des Atommülls entsteht weniger Restmüll und dieser muss nun lediglich 400 Jahre im Tiefenlager eingelagert werden.
  • Der anfallende Atommüll der klassischen Druckwasser- und Siedewasserreaktoren (Beznau, Gösgen, Leibstadt) würde direkt aufbereitet dem BN-1200 wieder als Brennstoff zur Verfügung stehen.
  • Als Brennstoff kann auch von Thorium ausgegangen werden. Davon haben wir mehr als genug für die nächsten 600 Jahre. Thorium fällt z.B. in Massen als Abfall bei der Produktion von Elementen der seltenen Erden an.

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